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Unser Kellerberg

Als der liebe Herrgott in seiner unendlichen Güte das Weltall samt seinen schönen Dingen erschuf, gab er natürlich allem Geschaffenen Zweck und Sinn. So war es auch bei der Schöpfung Höchstadts a. d. Aisch der Fall d. h. damals gab es eigentlich noch gar kein Höchstadt und auch die Höchstadter selbst waren noch nicht vorhanden, aber der Allweise Gott wusste, dass es eben auf diesem und keinem anderen Platz erstehen würde, wie er auch schon von Uranfang dafür sorgte, dass die Höchstadter in ihren künftigen Tagen für ihre Festtage knusperig gebackene Karpfen zu essen hätten und sich in trüben und heiteren Stunden an ihrem selbstgebrauten Bier erquicken könnten.

Also kurz und gut, wie der liebe Herrgott nach der Erschaffung der Welt auf seiner großen Inspektionsreise auch durch unsere Höchstadter Gegend kam, fand er wie überall auf der Erde so auch hier scheinbar alles in bester Ordnung. Das Aischtal war in schönster Entwicklung begriffen, der moorige Boden für die künftigen Weiheranlagen bestens geeignet und die sanft ansteigenden Keuperhöhen versprachen gute Hopfengärten zu werden. Selbst der Urahn der Höchstadter stapfte, wenn auch noch sehr unzivilisiert und nur mit einigen Tierfellen behangen, schimpfend durch das sumpfige Dickicht. Schon wollte sich der liebe Herrgott müde und matt von seinem Rundgang um die Erde zur verdienten Ruhe setzen; da fiel sein sorgender Blick noch einmal auf die bunte, gewordene Welt und gerade in die Richtung unserer Höchstadter Heimat. Wie nun der Göttliche länger hinschaute, war es ihm, als ob hier in seiner sonst vollkommenen Schöpfung noch etwas fehle, so wie das Salz oft im Suppentopf, er wusste nur nicht recht was. Und der gütige Himmelvater prüfte noch einmal alles genau nach, die Grundbedingungen für die Weiheranlagen und die Voraussetzungen für die Hopfenanlagen, aber alles war gut und nirgends ein Rechen- oder Kalkulationsfehler zu finden. Aber doch war es dem Welterschaffer so, als ob doch hier irgendwie eine große Lücke in seiner Schöpfung sei, vielleicht gar das Wichtigste vergessen worden wäre. So riet er denn hin und her, aber es fand und fand sich nichts, was seine Unzufriedenheit am Werk beseitigt hätte und schon war er nahe dran, das Suchen nach einer Lösung aufzugeben; da huschte ein kleines vorwitziges Englein zu ihm hin und flüsterte ihm leise ins Ohr: „Herr, sie brauchen noch einen Kellerberg!“ Da ging es wie ein befreiendes Lächeln über das gütige Vatergesicht des Weltenschöpfers. Natürlich einen Kellerberg brauchten sie noch, seine lieben Höchstadter, dass er nur so etwas vergessen konnte. Und in der nächsten Vollmondnacht schuf er den Kellerberg in seiner Vollendung, dass alle Engel im Himmel Beifall klatschten.

Es ist aber auch wirklich etwas Wunderschönes um unseren Kellerberg, wir wissen es vielleicht gar nicht so zu schätzen, weil wir ihn als etwas Gegebenes hinnehmen. Denken wir aber einmal hinweg gewischt aus unserer Gegend und unserem Leben, was wären dann wir und Höchstadt ohne ihn? Eine Wüste ohne Oase, ein Meer ohne Insel, ein Volk ohne Krüge! Wo, würden wir uns dann frei und ungeniert ausreden über die schlechten Zeiten, die hohen Steuern und den Wert und Unwert der verschiedenen Biere? Ich frage wo? – Ja, der Kellerberg gehört zu Höchstadt und Höchstadt zu ihm. Schon wenn man die schöne Baumallee entlang zu ihm hinaufgeht, wird es einem froh und frei ums Herz, mag man vorher noch so sehr verärgert gewesen sein. Und wenn man dann erst zu den schmucken Kellerhäuschen kommt, die rechts und links zu den durstlechzenden Wanderern hernieder grüßen und ihre verheißenden und beseligenden Inschriften liest, die da lauten: „In Treue fest!, Jägerruh, Wallensteins Lager, Friedensheim, Hier wackelt die Wand!“ usw., dann fühlt man sich bereits innerlich so beruhigt und ausgeglichen, als ob man nie vom Wellensturm der Sorgen und des Lebens halbtot geschaukelt worden wäre. Steigt man dann vollends noch mit Krug und Licht bewaffnet in die feierliche Katakombenstille der Keller hinunter, wo Fass an Fass abgeschieden vom Lärm und der Hast der Zeit in Ruhe und Beschaulichkeit der schäumenden Auferstehung entgegen träumt, dann ist der Gipfelpunkt der angenehmen Gefühle und menschlicher Zufriedenheit erreicht.

Und wem haben wir alle diese Genüsse zu verdanken? An erster Stelle wohl dem lieben Herrgott, der alles was zur Bierbereitung gehört in den Schoß des Höchstadter Heimatbodens gelegt hat und zweiter Stelle dem guten Bischof Johann Phillip von Bamberg-Würzburg, der am 31. August 1604 seinen lieben und getreuen Höchstadtern das Recht ihr Bier selbst zu brauen zum schönsten Geschenk gemacht hat. Sein Andenken in Ehren!

Ja, es ist ein ausgezeichneter Erholungsort unser Kellerberg mit seiner Urwüchsigkeit und Originalität, ein Nervensanatorium eigener Art, ein Stück alten Germanentums, ein Rest versunkener Romantik! Seien wir froh, dass wir noch so etwas haben in dem Hexenkesseltreiben unserer zerrütteten und poesielosen Zeit und freuen wir uns recht viel und recht oft auf unseren lieben Kellerberg unseres Lebens und der Schönheit unserer Heimat! – Prosit!
von Peter Baier












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