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Exkursion ins 18. Jahrhundert

Das Kommunbrauhaus Junkersdorf

gelegen nördlich von Ebern in Unterfranken wurde am 05. September 1995 von Kurt Adler, Axel Fella und Ludwig Müller von der Gemeinde Pfarrweisach für 1 DM gekauft. Es hatte bis dato über 200 Jahre lang den Junkersdorfern Bürgern als Brauhaus gedient, in dem sie als Altbrauer ihren Haustrunk brauen konnten. Die Gemeinde, als Eigentümer, war zu dem Zeitpunkt nicht mehr bereit in das marode Gebäude zu investieren, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Einheimischen das Brauen aus vielfältigen Gründen schon längst aufgegeben hatten.

In über fünf Jahren haben die drei Freunde mit viel Zeit, Geld und Liebe das alte Haus wieder in Stand gesetzt. 2001 wurde es eingeweiht und ist seit dem ein beliebter Treffpunk und Schauplatz begeisterter Hobbybrauer und eingefleischter Bierfreunde. Nun können pro Sud bis zu 20hl unfiltriertes, vollmundiges Kellerbier gebraut werden, und das mit der Technik aus dem 19. Jahrhundert mit Holzfeuerung, offener Maischebottich aus massiven Eichenholz, in dem per Hand gerührt wird und Kühlschiff - ein Genuss für Kenner und Laien. Wer an einem der fünf bis sechs Brautage im Jahr einmal dort war, begreift, warum man früher von Brau-Kunst sprach. Ein Brau-Erlebnis, das es bei den praktisch geschlossenen Kreisläufen der computergesteuerten Anlagen moderner Brauereien nicht mehr gibt.


Jetzt gehören die Brauer des Kellerbergvereins ebenfalls zur Fan-Gemeinde. Kurt Adler, der Vorsitzende des VFFB (Verein zur Förderung der Fränkischen Braukultur) hatte uns eingeladen mit uns ein Festbier für den Tag des Biers zu brauen. So machten sich am 28.02.2015 Karsten, Alfred, Bernd, Andi, Hansi und der Peter voller Erwartung auf den Weg nach Junkersdorf. Selbst Boyd scheute nicht den weiten Weg aus Kanada, um an diesem Event teilzunehmen.

Die Brauer


Schroten

Um 8 Uhr wurden wir am Brauhaus von Kurt, Willi und Max ganz herzlich empfangen. Selbst das Feuer unter dem Sudkessel prasselte uns seinen Willkommensgruß und erwärmte ganz nebenbei 13 hl Wasser auf 57°C, das für das Einmaischen von 8 Zentnern Malz benötigt wurde. Aber die mussten erst zur Schrotmühle in den Schalander hinauf geschleppt werden – eine große Herausforderung für uns Kellerbergler. Denn an der Mühle wartete schon Willi, der das Malz langsam durch Mühle rinnen ließ, während unten am Maischbottich Andi, Boyd und Karsten schon mit den Hufen scharrten um endlich die Maische in Bewegung zu bringen.


Maischen

40 – 50 – 60 murmelt einer der 3 Brauer, hat aber nichts mit weiblichen Idealmassen zu tun. Es ist ganz einfach die Temperatur-Skala nach Réaumur, klärte uns der Kurt auf, mit der die Brauer früher ihre Rasten kontrollierten. Sie wurde 1730 vom französischen Naturforscher René-Antoine Ferchault de Réaumur eingeführt und wurde 1901 durch das Grad Celsius abgelöst.
Nach der Umrechnung von 1°C = 1°R x 1,25 war ein lautes ahaa seitens der Hobbybrauer zu vernehmen, denn 40°R entsprechen ungefähr der Eiweißrast, 50°R der Maltoserast und 60°R der Endverzuckerung.


Nachdem das geklärt war, rief man nach der Ablösung am Maischholz, frei nach dem Motto: „wer will noch mal, wer hat noch nicht“. Es war (ist) eine ziemliche Plackerei, die Maische im Eichenbottich von Hand in Bewegung zu halten. Gemurrt hatte aber keiner, es muss wohl Spaß gemacht haben!


Das Brauerfrühstück

Der Spaß steigerte sich, als Max zur Brotzeit rief, eine die es in sich hatte. Er hatte in der Zwischenzeit einen köstlichen Schweinebauch gegrillt und einen pikanten Leberkäs für uns erwärmt, den Willi Zametzer höchst persönlich in seiner Metzgerei in Langensendelbach zubereitet hatte. Selten hat ein Essen so gemundet, was nicht zuletzt daran lag, dass Kurt ein Fass von seinem letzten Sud spendierte. Es entwickelte sich eine heitere Stimmung, bei dem auch das Wetter mitmachte: just in dieser Stunde zeigte sich der Himmel von seiner heiteren Seite und die Sonne lachte dazu.


Läutern

Unterdessen stand im Brauhaus das Läutern kurz bevor. Wie vor 200 Jahren lief die Würze in einen Pufferbehälter, um anschließend mit eine antiken Kolbenpumpe in die Sudpfanne gepumpt zu werden. Nach einer Stunde erfolgte das Anschwänzen, bei dem der restliche Malzzucker aus der Maische ausgespült wird.


Würzekochen

Unterdessen wurde unter dem Kessel wieder eingeheizt, um die Würze 70 Minuten lang zu kochen. Einzige Zutat dabei war bester fränkischer Aromahopfen, der mit viel Liebe von Karin in den nun kochenden Sud eingestreut wurde. Jetzt hieß es einheizen, Holzstämme von einem Meter Länge verschwanden in der schwarzen Öffnung des Schürloches und heizten Würze und Brauhaus kräftig ein.


Austrebern

Wer gedacht hatte, dass man während des Kochvorgangs eine kleine Pause einlegen könnte, lag aber total falsch. Der Treber musste raus, aber wohin? Zum Glück kamen zwei ortsansässige Schäfer, die den Treber an ihre Schafe verfüttern wollten. Schaufel um Schaufel, Eimer für Eimer schaufelten wir die feuchten Malzreste aus dem Läuterbottiche und transportierten sie in einer Eimerkette zum Abtransport.


Ausschlagen und Kühlen

Mittlerweise war es 18:45 und Kurt gab den Befehl zum Ausschlagen. 24 hl heiße Würze floss dampfend auf das Kühlschiff um sich abzukühlen. Die kalte Winterluft, unterstützt von 2 Ventilatoren, kühlte sehr effektiv. Bereits nach 3 Stunden konnte die nun mehr 16°C warme Würze in den eichenen Gärbottich abgelassen werden. Hier wurde weiter gekühlt und zwar mittels einer Kühlspirale, die mit dem kalten Wasser der Weisach beschickt wurde.


Ausklang

Nun hatten sich die Brauer eine Pause verdient und stießen auf den Kellerbergsud an. Die fröhliche Stimmung überdeckte noch die Müdigkeit, denn der Brautag hinterließ Spuren, in Knochen und Köpfen. Leicht ermattet ließen wir uns im Schalander nieder, wo uns schon Max mit einem Brauer-Gulasch überraschte. Es schmeckte allen ganz vorzüglich – ein hoch auf den Koch – besiegelt mit einem kräftigen Schluck Hausbrauerbier. Als dann Kurt zum Abschluss noch ein Schnäpschen spendierte, waren Kehle und Magen beruhigt, nur Hansi wünschte sich Nachtisch. Unser stets hilfsbereiter Vorsitzender half ihm beim Verzehr, was für unerwartete Heiterkeit sorgte.


Würze wird zu Jungbier

Kunst im Gärkeller

Doch dann kam sie, langsam aber immer intensiver - die Müdigkeit. Aber wir konnten Stolz sein, zusammen mit den Braumeistern Kurt und Axel, haben wir aus 8 Zentnern Malz 20 hl fränkisches Kellerbier alter Brauart gebraut.
Nach einer kurzen Nacht, die wir in Pfaffendorf im Gasthaus zur Sonne verbrachten, wurde die Würze zum Jungbier befördert. 16 Liter dickbreiige Brauereihefe wurde intensiv belüftet und in den Gärbottich gegossen. Jetzt hieß es nur noch warten, bis . . . ja bis zum Tag des Bieres auf dem Petersbecks am 25. April 2015.
Nach Ostern kann das Bier auch am Stammtisch verkostet werden!

Im Gärkeller

In einem waren (sind) wir uns alle einig: Es war ein harmonischer Brautag und ein schönes Erlebnis, der den Alltag vergessen machte, fast glaubte man sich wie im 19. Jahrhundert.
LIEBER KURT, LIEBER AXEL WIR BEDANKEN UNS!
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hier die komplette Fotoserie ======>











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